Mittwoch, 3. September 2008

Auberginenkepab

Schon die ganze Zeit während der abendfüllenden Möchtegernliteraturveranstaltung verspürte ich ein Hüngerchen. Weniger ein Hunger, mehr ein Appetit.
Gott ist in der Fastfoodbranche tätig und der Weg zum nächsten Dönermann nicht weit. Wir sind in Kreuzberg. Ich bestelle einen Auberginenkepab to go. Viel Knoblauchsoße.
Die Bushaltestelle ist nah und völlig unerwartet fährt der Wagen vor. Sonst muss ich doch auch immer warten.
Ratlos. Hin und her gerissen.
Ich hasse Leute, die in Beförderungsmitteln des ÖPNV Essen verspeisen müssen. Meistens ist das nicht nur mit Futterneid verbunden, sondern vor allem mit Geruchsbelästigung. Der Bus öffnet seine Tür und will mich einsaugen, wie ein Staubsauger einen Fussel. Ich beiß in das knusprige Brot. „Darf ich etwas zu Essen mit in den Bus nehmen?“ frage ich nachdem ich hintergeschluckt habe. „Aber nur, wenn Sie nicht kleckern.“ antwortet der Busfahrer nach einem prüfenden Blick förmlich. „Aber nur, wenn Sie nicht durch ein Schlagloch fahren.“ Nein, das denke ich mir nur. Das mich der Busfahrer Siezt, irritiert mich. Da sind wir unter Ickes doch nicht so in der Nacht. Ich steige ein, mach es mir bequem, beiße, kaue, kleckere. Natürlich kleckere ich! Wie kann man in ein Fladenbrot gestopfte flutschige Auberginen, ein Salatbouquet und jede Menge Knoblauchsoße verspeisen, ohne dabei eine Riesensauerei zu veranstalten? Aber ich kleckere nur auf mich, nicht auf oder in den Bus. Berlin ist eine arme Stadt, da will ich die Stadtkasse nicht mit Reinigungskosten belasten und am Ende Schuld sein an der nächsten Fahrpreiserhöhung.
Aber irgendwie schmeckts nicht mehr so lecker. Nicht nur ich beiße ins Brot, auch in meinem Gewissen beißt etwas.

Dienstag, 2. September 2008

Alle Jahre wieder

Ich hätte es beinahe vergessen, es hier zu erwähnen. Beinahe.
Dieses Jahr war es in der letzten Augustwoche. Es war der 26. oder 27., als ich die ersten Weihnachtsnaschereien im Supermarkt entdeckte.
Oh du Fröhliche!

Donnerstag, 28. August 2008

Ein sicheres Gefühl

„Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber ich hab keine Kondome mehr zu Hause.“
Junge, das klingt wirklich komisch. Aber wir beide sind nicht nur erwachsen, offensichtlich auch verantwortungsbewusst. Ich packe ein rotes und ein blaues ein und mache mich auf den Weg.
Wir kennen uns jetzt sieben Tage und sehen uns zum vierten Mal.
In meinem Profil steht, ich suche Männer. Er sucht Frauen. Als wir dann schnell bemerken, dass wir nicht nur in diesem Punkt übereinstimmen, beschließen wir, wir sollten uns kennenlernen. Warum nicht, deswegen begründen Internetflirtplattformen schließlich ihr Dasein. Virtuelles Kennenlernen, persönliches Kennenlernen, intimes Kennenlernen. Zeitlassen ist was für Romantiker und außerdem manchmal Zeitverschwendung.

Nachmittags um drei

Nachmittags vor den Schönhauser Allee Arkaden treffen wir uns. Um drei, die beste Zeit zum Kaffeetrinken. Meine Exkollegin, das Sonnenscheinchen, und ich treffen uns zum gemeinsamen nachmittäglichen Zeitvertreib. Wir sind jung, wir haben nichts zu tun, wir gehen Kaffeetrinken, wir sind arbeitslos. „Arbeitsuchend“ sagt man da ja wohl eher heute, weil es weicher klingt. Aber wir sind weniger auf der Suche, eher in einer Phase der Umorientierung. Die Eine traurig und sich als Versager fühlend, die Andere irgendwie ganz froh, nicht mehr jeden Morgen halb sieben aufstehen zu müssen, weil das mit der Arbeit vorbei ist.
Wir schlendern die Schönhauser Allee entlang, auf der Suche nach einem Kopierladen. Ich brauche noch ein paar Abzüge meines Arbeitszeugnisses, ich will mich doch bewerben, sieht ja sonst auch irgendwie komisch aus und die Eltern stellen schon mehr Forderungen als Fragen. Wir kommen an diesem tollen Blumengeschäft vorbei, in dem man auch Kaffeetrinken kann. Sonnenscheinchen will mir dort die Papageien zeigen. Doch sofort werden wir von einem Verkäufertyp abgehalten und zwingend nach unseren Bedürfnissen interviewt. Anscheinend ist da kein gaffendes Publikum gewünscht. Eine Grünpflanze muss her, beschließt das Sonnenscheinchen augenblicklich. „Möchten Sie mir vielleicht mal etwas genauer den Standort beschreiben?“ Da können die noch so viele Papageien durch den Laden fliegen lassen, über Geografie wollen wir jetzt nicht sprechen.
Weiter geht’s, ein Kopierladen lässt sich finden, hier gibt’s eben alles. Nun, wenigstens hab ich mit dem Erstellen von zehn Kopien zukunftsblickend eine kleine Winzigkeit zum Beenden meines aktuellen Schwebezustandes in Warteposition getan. Wir laufen an einem Filmset vorbei. Wie immer gibt es nichts zu sehen. Der Tisch der Cateringhabseeligkeiten sieht auch dürftig bestückt aus. Anscheinend wird hier auch nur so getan, als ob etwas getan wird.
Wir kehren in ein Cafe ein. Ich fühle mich wie in einem Ausstellungsraum für DDR-Möbelstücke der 70er und 80er, Sonnenscheinchen gefällts. Wir bestellen Milchshake, Eis und Capuccino und reden. Wir reden kein Wort über die Arbeit oder besser gesagt unsere Exarbeit. Wir reden über Urlaub, Liebschaften, Freunde von Freunden und diesen Kram.
Die Tür geht auf, vier Mütter mit den dazugehörigen Kindern (mehr als vier) betreten das Cafe. Das Getöse, was sie mitbringen, zerschneidet die vorher dagewesene Gemütlichkeit. Paul, Emma und Co stürmen die Spielecke, neben der wir uns ungeschickter Weiße auf dem Sofa niederließen. Bevor die Prenzlbergmütter ihre Bestellung am Tresen aufgeben werden die Zwerge befragt, ob sie lieber ein Rosinenbrötchen oder ein Croissant möchten. Wieso muss ein zweijähriges Kind über französische Frühstückskultur informiert sein? Die Kinderwahl fällt auf die deutschere Variante. Aber irgendwas war wohl nicht in Ordnung mit dem Rosinenbrötchen. Als Sonnenscheinchen gerade über die Woche auf Hiddensee berichtet, strömt ein unangenehmer Duft in unsere kinderlosen Nasen. Die Prenzlbergmütter schlürfen gemütlich weiter am gefleckten Warmmilchgetränk. Uns kommt fast das Kotzen und wir können uns kaum noch auf unser Gespräch konsentrieren. Endlich bemerkt auch die Mutterfraktion, dass da was in der Luft liegt. Anscheinend sind ihre Nasen im Getümmel irritiert, denn es gelingt ihnen an der Geruchsprobe nicht, den Herd der Luftverseuchung zu lokalisieren. Eine Mutter schnappt sich nach der anderen ein Kind. Leider nie das eigene, was zu Folge hat, dass die jeweils zurückgebliebenen Nachkommen, Terror aufgrund von Verlustängsten verbreiten, den die anderen Mütter nun zu besänftigen versuchen. „Wie war das jetzt noch mal mit eurer Wanderung an der Küste?“ Wir kommen nicht weiter mit unserem aktuellen Thema der Unterhaltung. Zwangsläufig kommen wir zum uns vorgesetzten Thema und beteuern uns überzeugend, dass wir froh sind, keine Kinder zu haben. Irgendwann ist dann der Geruchsherd gefunden, aber die Kinderpartystimmung rockt weiter. Sonnenscheinchen und ich kommen aber erst wieder runter, nach dem die Prenzlbergmütter sich mit Nachwuchs gen Spielplatz verabschiedet haben. Danke.
Auf dem Nachhauseweg kehre ich doch noch spontan bei Hasi & Mausi ein. Ne riesige Schwangerschaftsmodeabteilung haben die da. Von mir aus. Aber sonst gibt’s alles nur bis Größe 38.
Ich fühle mich diskriminiert!

Freitag, 22. August 2008

Erinnerung an das Lächeln eines Idioten

Es waren nicht Engel und Teufel, die in mir einen Kampf austragen. Immer noch stehen sich die Idee von Superheld und Überasshole in mir gegenüber. Sie kämpfen. Ziel ist nicht, dass einer der beiden als Sieger hervorgeht. Ziel ist die Vereinigung der beiden. Sie sollen verschmelzen wie zwei verschiedene Eissorten in einem Becher und dann ein perfektes Eins werden, zu einem Genuss, mit dem ich nicht nur gut leben kann, sondern der nach allem Gefühlten eine Bereicherung sein soll. Ich denke, nach einer langen Zeit des Kampfes komme ich dieser Einigung in mir nun näher. Auch wenn die Waffen noch nicht endgültig niedergelegt sind, gehe ich dem Zieleinlauf auf dem Weg der internen Versöhnung meines Herzens mit der Realität entgegen.

Erinnerung kann grausam sein, besonders wenn das Lächeln eines Idioten darin die Hauptrolle spielt.

Dienstag, 5. August 2008

alive?

Mitten ins Herz hinein, fandest du den Weg nicht mehr heraus. Nein. Alles spielte sich nur in meiner Phantasie ab. Nur dort. Die Fakten sind klar. Wir trafen uns, keine Liebe, nur ein Gerüst. Ja, ich weiß das alles. Aber ich kann nicht aufhören, an den Superhelden zu denken, den Überhero, der du für mich bist. Der du für mich warst. Wie lange braucht es, um die Spuren der Erinnerung zu löschen? Wenn sie eh nicht helfen, loszulaufen und dem Tag in den Arsch zu treten.

Samstag, 31. Mai 2008

apart

Noch vor dem Frühstück höre ich Cure-Songs, oben am Himmel fliegen Flugzeuge Saltos im Minutentakt und ich könnte das Elend der Welt auskotzen.
Die Sache mit dem Entlieben ist ein Wettbewerb, in dem ich mein eigenener Gegner bin und dessen Regeln ich nicht versteh.

Freitag, 11. April 2008

Back on track

Zeit, wieder die harten Boots zum Tanzen anzuziehen.

Dienstag, 8. April 2008

Mission „Schmetterling“

Das werden die Zeilen, die du nie lesen wirst. Wahrscheinlich.
Vor vier Wochen klopfte ich dir auf die Schulter, nachdem wir uns vorher an diesem Abend ein paar Mal lächelnd ansahen. Ich stand schon vor der Tür, fertig, mit meinen Freunden nach Hause zu gehen. Ich hätte mit ihnen nach Hause gehen können und alles wäre so weitergelaufen wie bisher. Aber etwas hat mich nicht gehen lassen, hat mich zurückgezogen. Zu deinem Lächeln. Zu dir. Und so wurdest du mein Aussteigen aus dem Zug wie in Before Sunrise. Das war der Anfang einer der schönsten Wochen, der schönsten Geschichten meines Lebens.
Wir hatten Spaß. Wir hatten schöne Gespräche. Wir hatten tollen Sex. Dann musstest du zurück in dein Land, zurück in dein Leben und ich vom Flughafen zurück nach Hause, zurück in mein Leben. Was hab ich in der S-Bahn geheult. Nach der schönen Zeit kamen die Tränen. Für einen Abend. Nach den Tränen kamen unsere E-Mails und mit ihnen das gute Gefühl. Das gute Gefühl, das keinen Namen hat, ließ mich nicht mehr schlafen. Es ließ mich mit einem Grinsen im Gesicht durch die Gegend laufen. Die Schmetterlinge und ich tanzten.
Sie wollten nicht mehr aufhören und das kam mir mit der Zeit unheimlich vor. Ich musste herausfinden, ob sie mich verarschen, nicht anders können, weil das ihr Leben ist, oder ob sie nur eine Einbildung sind. Vier Wochen nach unserem ersten Lächeln flog ich mit einer Mission zu dir. Die Mission „Schmetterling“. Du sagtest, du freust dich sehr, wenn ich dich besuche, aber genauso deutlich machtest du deinen Standpunkt klar. Für dich gab es keine Mission zu erfüllen, es galt nur die Zeit gemeinsam zu genießen. Deine Worte besänftigten meine Nervosität. Die Fronten waren geklärt.
Es ist wie immer oder so oft, ich nehme, was ich kriegen kann. Und ich bekam ein wunderschönes Wochenende. Cider im Pub der Einheimischen, kalte Hände in Stonehenge, einen Grufticlubabend in London, Sex im Auto während es draußen schneite. Keinen Schlaf. Keine Zeit, um alte Gewohnheiten zu brechen.
Du erzählst mir, wie sich dein Leben im Moment anfühlt. Das ich der Punkt war, an dem du anfingst ein Slut werden zu wollen. Ich habe dir nicht gesagt, dass das keine guten Pläne in meinen Augen sind, denn ich nehme, was ich kriegen kann. Du musst viel nachholen, Dinge herausfinden. Du musst tun, was getan werden muss. Ich kann dich dabei nicht aufhalten. Ich kann nur von Zeit zu Zeit, Teil des Spielchens sein.
Mission „Schmetterling“ wurde am Sonntagabend für erfolgreich beendet erklärt. Auch wenn das bedeutet, dass die Liebe wieder ein Stück von ihrem Glanz verloren hat. Da ist aber nicht immer nur eine Seite und jedem Verlust steht ein Gewinn gegenüber. Ich merkte, dass die Welt ein bisschen kleiner ist, als ich glaubte. Und das machte mich größer.

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